Atik Infinity Colour-Kamera - Weitere Erfahrungen

Einführung | Die Kamera reaktivieren... | Ein Nachttest am Celestron C8 | Vorläufiges Fazit | Links

Auf dieser Seite stelle ich einige weitere Erfahrungen zusammen (ab Februar 2020), die ich mit meiner Atik Infinity Colour*-Kamera gesammelt habe (am 25. November 2017 als Gebrauchtkauf erhalten). Vielleicht sind sie auch nützlich für andere, die sich diese Kamera zulegen wollen...

Siehe auch Seite:

*) Normalerweise würde ich "Color" schreiben, weil ich versuche, Amerikanisches Englisch zu verwenden, aber Atik ist eine britische Firma und entsprechend heißt sie "Colour"...

 

Einführung

Zwei Jahre lang habe ich die Atik Infinity-Kamera nicht mehr benutzt und erst im Februar 2020 wieder ausgepackt, nachdem ich das eVscope erhalten hatte. In der Zeit vom Frühjahrt 2018 bis hierhin hatte ich hauptsächlich ohne GoTo beobachtet. Und außerdem war mir der Aufwand zu groß, den die Astrofotografie mit der Atik Infinity erfordert.

Fotos: Nur als Erinnerung an das Aussehen der Atik Infinity-Kamera...

Zunächst habe ich nur "Trockenübungen" gemacht, um die Kamera wieder in Gang zu bringen und um an neuen Teleskopen (PS 72/432 und C8 mit Fokalreduzierer) zu testen, ob die Kamera mit diesen überhaupt ein scharfes Bild erzeugen kann.

Da ich die Kamera in Frühjahr 202 an einen Sternfreund verleihen wollte, habe ich kurz vorher noch einen Nachttest mit ihr am C8 gemacht und dabei unterschiedliche Fokalreduzierer ausprobiert, allerdings nur in zwei Konfigurationen (siehe weiter unten)...

 

Die Kamera reaktivieren...

Da ich die Software für die Atik Infinity-Kamera immer wieder aktualiert habe, hatte ich zunächst nicht bei Atik auf der Website geschaut, ob es wieder eine neue Version gibt. Das war leider ein Fehler, wie sich später herausstellte...

Erster Versuch...

Am 9.2.2020 habe ich mein C8 mit Fokalreduzierer (f/6,3) auf der Star Discovery-Montierung "informell" aufgebaut und die Kamera einerseits am Teleskop und andererseits am Computer angeschlossen. Dabei wollte ich eigentlich mit Tageszielen testen, ob die Kamera mit dem Fokalreduzierer in den Fokus kommt und wenn ja, unter welchen Randbedingungen. Am neuen Laptop, der nur noch USB-C-Anschlüsse hat, wurden Adapter für das USB-Kabel benötigt. Zunächst, als ich einen steckerartigen USB-A-auf-USB-C-Adapter verwendete, wurde die Kamera überhaupt nicht erkannt. Als ich auf ein "Mini-Dock" wechselte, wurde die Kamera schließlich erkannt. Generell ist das Erkennen der Kamera immer wieder ein Problem, weil ich Windows auf einem MacBook unter Parallel Desktop betreibe.

Die Kamera wurde mit dem Mini-Dock zwar erkannt, lief im Finder- und Video-Modus aber immer nur für ein Bild (es wurde nichts angezeigt) und dann nicht mehr bis ich die Infinity-Software neu startete. Versuche mit der neuen Software Dusk unter Windows und MacOS führten zu nichts - dieses Programm ist zumindest bei mir unbenutzbar...

Ich habe zwar noch einige Fotos gemacht, um das Prinzip des Aufbaus festzuhalten, aber mehr war nicht drin..

Atik Infinity über f/6,3 Reducer/Corrector und 1,25" Visual Back an C8 angeschlossen (geht nur mit zusätzlichem Zenitspiegel)

Dito

Zweiter Versuch...

Am nächsten Tag habe ich weitergemacht, allerdings der Einfachheit halber mit dem PS 72/432-Refraktor auf der AZ-Pronto-Montierung. Zunächst das Gleiche! Anschließend habe ich im Internet danach gesucht, ob das Problem bekannt war. Dort ging es aber um andere Probleme, und ich kam nicht weiter. Zwischendurch habe ich auch die Atik-Website besucht, ohne fündig zu werden. Schließlich griff ich zum letzten Strohhalm, der Neuinstallation der Software. Auf der Download-Seite stand, dass man die alter Version deinstallieren soll, wenn man noch eine Version unter 5 hat, aber ich war bereits bei der Version 5. Trotzdem entschied ich mich, die alter Software zu deinstallieren. Das ging zwar nicht auf Anhieb, aber klappte schließlich. Auch bei der Installation der neuesten Software, gerade mal 3 Tage alt, gab es kleinere Probleme, die ich aber überwinden konnte. Dann startete ich die Software in der neuen Version, und siehe da, die Kamera ließ sich verbinden und funktionierte wieder! Ich war erleichtert! Die Kamera funktionierte sogar mit dem USB-A-auf USB-C-Adapter und natürlich auch mit dem Mini-Dock. Hätte ich doch gleich die neue Software installiert! Ich hatte später zwar immer mal wieder Probleme, die Kamera zu erkennen, aber das ist eben, siehe oben, meiner speziellen Rechner-Konfiguration zu verdanken. Nun konnte es an den Trockentest mit dem PS 72/432 gehen!

PS 72/432

Um es kurz zu machen: die Atik Infinity kam am PS 72/432 Refraktor von Omegon nur mit dem Omegon Amici-Prisma in dem Fokus, weder "ohne alles" noch mit dem 2"-Zenitspiegel von Omegon. Das gleiche Verhalten erhielt ich dann auch beim Einsatz eines 2 x Fokalextenders von Explore Scientific, der die Länge des Lichtweges nicht zu verändern scheint. Das Ziel war zwar nicht im Unendlichen, aber weit weg, so dass ich annehme, dass ich diese Resultate am Himmel replizieren kann. Welches Gesichtsfeld ich mit und ohne Fokalextender habe, siehe unten!

C8 mit Fokalreduzier(n)

Obwohl es schon langsam dunkel wurde, machte ich noch einen "Schnelltest" mit meinem Celestron C8. Dazu legte ich ihn einfach auf eine Decke auf dem Tisch. Zunächst versuchte ich es mit dem Celestron f/6,3 Reducer/Corrector allein, später auch zusätzlich einen 2-fach Reduzierer von TS Optics, den ich in den Okularstutzen der Kamera schraubte (die Verlängerung dafür brachte nichts). Die Kamera kam mit dem Reducer/Corrector nur dann in den Fokus, wenn ich den 1,25"-Zenitspiegel von Celestron verwendete. Dies war auch der Fall, wenn ich zusätzlich den TS-Reduzierer einsetzte - und es funktionierte in diesem Fall auch ohne den Zenitspiegel. Das Ziel war zwar nicht im Unendlichen, aber weit weg, so dass ich annehme, dass ich diese Resultate am Himmel replizieren kann.

Mit f/6,3 Reducer/Corrector

Mit f/6,3 Reducer/Corrector und 2x-Reduzierer

Einfache Messungen zeigten, dass sich das Gesichtsfeld mit dem 2-fach Reduzierer tatsächlich etwa verdoppelt. Die folgende Grafik (mit astronomy.tools berechnet) zeigt die Gesichtsfelder für unterschiedliche Bedingungen (mit Explorer 150PDS zum Vergleich):

Und hier zusätzlich mit dem PS 72/432 (orange):

 

Ein Nachttest am Celestron C8

Am 15.3.2020 (am 16.3.2020 wollte ich die Kamera für einige Zeit an einen Sternfreund verleihen) habe ich einen ersten "Nachttest" mit der Atik Infinity-Kamera am Celestron C8 vorgenommen. Dabei habe ich die folgenenden zwei Konfigurationen getestet:

Das Teleskop war auf der Star Discovery-Montierung montiert, die ich mit dem SynScan WLAN-Modul üver die SynScan App auf dem iPhone bedient habe. Dabei ich aus Bequemlichkeit nur das 1-Stern-Alignment durchgeführt. Ich habe das Alignment allerdings einige Male wiederholt und auch zwischendurch den Tubus mit Hilfe der Infinity-Software "nachgeregelt". Wegen des kleinen Gesichtsfeldes ist das oft aber schwierig, so dass ich erneut das Okular einsetzen musste, um das Teleskop besser auszurichten (machmal half auch nur ein neues Alignment).

Hier einige der besten Fotos, die ich bei dieser Testsession aufgenommen habe:

         

M 41 (verfehlt, oberhalb von M 41), f/6,3 Reducer/Corrector

 

M 41 (verfehlt, oberhalb von M 41), f/6,3 Reducer/Corrector und 0,5-fach TS-Fokalreduzierer

 

NGC 2264 (verfehlt, links von NGC 2264), f/6,3 Reducer/Corrector und 0,5-fach TS-Fokalreduzierer

   

M 42/43, f/6,3 Reducer/Corrector

 

M 42/43, f/6,3 Reducer/Corrector und 0,5-fach TS-Fokalreduzierer

 

M 42/43, f/6,3 Reducer/Corrector und 0,5-fach TS-Fokalreduzierer

   

NGC 2024, f/6,3 Reducer/Corrector

 

NGC 2024, f/6,3 Reducer/Corrector

 

NGC 2024, f/6,3 Reducer/Corrector und 0,5-fach TS-Fokalreduzierer

Insgesamt fand ich die Ergebnisse, abgesehen von M 42/43, eher enttäuschend, aber ich war auch nicht mehr so in Übung... Lichtschwache Objekte wie der Flammennebel NGC 2024 waren sehr blass, was auch in der Nachbearbeitung kaum besser wurde (trotz Abspeiechern als 16-bit TIFF-Dateien). Mit dem zusätzlichen 0,5-fach-TS-Fokalreduzierer erhält man eine Vignettierung, die je nach Objekt mehr oder weniger störend ist. Andererseits erhält man ein wesentlich größeres Gesichtsfeld (ca. 0,8° gegen 0,4°, also ca. 48' gegenüber 24'; letzteres erfasst noch nicht einmal den Mond als Ganzes).

Die Atik Infinity-Software erwies sich als sehr fehlerhaft. Insbesondere, wenn ich vom Stacking-Modus zurück zum "Live"-Modus wechselte, hängte sich die Anwendung mehr oder weniger auf und zeigt keine aktuellen Bilder, so dass ich sie neu starten musste. Das ging zwar, aber Freude kam dabei nicht auf... Interessanterweise ist meine Software, die ich schon vor einiger Zeit herunter geladen hatte, eine Versionsnummer weiter, als die aktuell angebotene. Vielleicht wurde sie ja wieder wegen Fehlern zurückgezogen...

 

Vorläufiges Fazit

Fokus oder nicht?

Die Atik Infinity-Kamera kann ich am PS 72/432 nur dann nutzen, wenn ich das zugehörige Amici-Prisma verwende. Ob solche Prismen bei Nacht einsetzbar sind, darüber streiten sich die Hobby-Astronomen. Vielleicht finde ich noch andere Möglichkeiten (z.B. ein 1,25" Zenitprisma)...

Ich kann außerdem berichten, dass ich mit meinem C8 in den Fokus komme, wenn ich den f/6,3 Reducer/Corrector von Celestron und ggf. auch noch den TS-Reduzierer einsetze (ich habe den TS-Reduzierer nicht allein getestet). Im ersten Fall wird der 1,25"-Zenitspiegel von Celestron benötigt, im zweiten Fall geht es mit und ohne ihn.

Erste Resultate mit dem C8...

...fielen noch nicht überwältigend aus!

 

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16.03.2020