DSO-Fotografie für Dummies - Motivation und Einführung

Einführung | Meine Motivation | Vier Lösungen - ein Ansatz | Zusammenfassung | Links

Auf dieser Seite möchte die Motivation, die hinter meinen Annäherungen an eine "DSO-Fotografie für Dummies und Faule" steht, erläutern und einige einführende Bemerkungen dazu machen. Dann stelle ich kurz einige Lösungen vor, die ich für praktikabel halte. Technische Details, Beispiele und Erfahrungen (soweit vorhanden...) finden sich auf den Seiten der entsprechenden Geräte.

Hinweis:

 

Einführung

Astronomie ist ein großartiges Hobby, das viele Menschen interessiert. Allerdings sind zahlreiche Anfänger bereits nach kurzer Zeit enttäuscht von dem, was sie in ihren Teleskopen sehen (nehmen wir an, dass ansonsten alles in Ordnung ist...). Denn es hat nur wenig Ähnlichkeit mit dem oder ist nur ein schwacher Abglanz dessen, was man in Büchern und im Internet auf Fotos sehen kann, die mit großen oder gar Weltraumteleskopen wie dem Hubble-Teleskop aufgenommen wurden: von Farben keine Spur, und Details sind auch nur schwer zu erkennen. Oft bleibt es bei einem schwachen Schimmer, falls man überhaupt etwas sieht...

Die Gründer von Unistellar, die das eVscope konzipiert haben (dazu später mehr), beschreiben diese "Enttäuschung" folgendermaßen:

Im Gegensatz zu fotografischen Emulsionen und Sensoren kann unser Auge Licht nicht speichern und damit auch keinen Bildeindruck erzeugen, der dem von fotografischen Langzeitaufnahmen entspricht. Zudem ist das Auge nur im Zentrum (gelber Fleck genannt) farbempfindlich. Doch die dort befindlichen Zapfen sind wesentlich weniger lichtempfindlich als die Stäbchen im Rest der Netzhaut. Deshalb reicht das Licht schwacher Objekte nicht aus, um Farben erkennen zu können. Die Stäbchen erkennen jedoch keine Farben, sind zudem lockerer verteilt (Stoyan spricht von einer 2-3-mal geringeren Auflösung) und kommen im Zentrum des Auges gar nicht vor.

Hobbyastronomen lernen deshalb das "teleskopische" oder "indirekte" Sehen, um Details mit den peripheren Stäbchen erkennen zu können. Dabei schauen sie nicht direkt auf das Objekt, sondern leicht an ihm vorbei, wie schon gesagt, auf Kosten von Farben und Schärfe. Dieses Sehen muss man üben, und man sollte ein Objekt auch über einen längeren Zeitraum beobachten, um immer wieder neue Details zu entdecken. Die dafür nötige Geduld haben wohl nur wenige - ich jedenfalls nur in geringerem Ausmass (immerhin habe ich festgestellt, dass auch Bewegungen des Auges helfen, Details zu erkennen, weil die Stäbchen bewegungsempfindlich sind)...

Viele Hobbyastronomen haben sich deshalb der Astrofotografie zugewandt, vor allem, seit sie digital geworden ist. Heutzutage sind viele Teleskope bereits auf die Astrofotografie zugeschnitten (andere Fokuslage, andere Größen für den Sekundärspiegel von Reflektoren, usw.), was wiederum rein visuelle Beobachter ärgert (wie ich in Foren lese...), die sich inzwischen von den Herstellern "verlassen" fühlen. Jedenfalls scheinen die durchaus möglichen Kompromisse (ein Teleskop für beides) für diejenigen nicht akzeptabel zu sein, die stets das Optimum "herauskitzeln" wollen...

Im einfachsten Fall kann man eine Kamera (oder ein Handy) ans Okular halten, um zu Fotos von Himmelsobjekten zu gelangen, aber das funktioniert nur bei hellen Objekte wie dem Mond und den Planeten. Wer wirklich schöne Fotos von Deep-Sky-Objekten anfertigen möchte, kommt um eine DSLR oder Systemkamera, einen geeigneten Tubus, eine (schwere!) äquatoriale/parallaktische Montierung und umfangreiches Zubehör nicht herum. Zudem werden viel Geduld und Zeit bei Aufnahme und Nachbearbeitung der Fotos benötigt. Das schreckt mich ab, und sicher viele andere auch. Und weil ich auf diesem Gebiet keine eigenen Erfahrungen besitze, möchte ich hier auch gar nicht weiter ins Detail gehen. Immerhin habe ich bei einem Sternenfreund, bei dem ich meinen Skymax-127 OTA gebraucht erworben habe, gesehen, dass bereits mit einem 6"-Newton-Tubus ähnlich dem meinen und einer normalen DSLR (und weiterer Ausrüstung natürlich...) wunderschöne Fotos von Deep-Sky-Objekten möglich sind.

 

Meine Motivation

Alles in allem sah für mich die Situation so aus:

Das Problem war also, ich würde ja schon gern, wenn auch mit wenig Aufwand und möglichst mit der Ausrüstung, die ich schon besitze (eine neue Kamera ist natürlich nötig...), "Deep-Sky-Fotografie und -Beobachtung für Dummies und Faule" betreiben wollen. Aber geht das denn überhaupt und, wenn ja, wie???

 

Vier Lösungen - Ein Ansatz

Im folgenden stelle ich vier Lösungen vor, die mögliche Antworten auf meine Frage "Geht das denn überhaupt?" darstellen. Drei davon erfordern allerdings die Anschaffung einer komplett neuen Ausrüstung. Alle vier Lösungen firmieren unter dem Etikett "electronically augmented astronomy" (EAA), manchmal auch "Video Astronomie" genannt (aber da soll es feine Unterschiede geben, auf die ich hier nicht eingehen möchte - die vorgestellten Lösungen erzeugen jedenfalls kein Videobild).

Mit diesen Lösungen muss man sich leider von der Vorstellung einer rein visuellen Beobachtung verabschieden. Sie beruhen darauf, dass das einkommende Licht nicht mehr mit dem Auge, sondern mit einem hochempfindlichen CCD- oder CMOS-Sensor empfangen, software-gestützt weiterverarbeitet und auf einem Bildschirm wiedergegeben wird, sei es dem eines Computers oder dem eines elektonischen Suchers. Die Belichtungszeiten liegen typischerweise im Sekundenbereich, und die einkommenden Bilder werden Stück für Stück überlagert ("image stacking" genannt), um das Bildrauschen zu verringern und damit mehr Details zeigen zu können.

Im Unterschied zur herkömmlichen Astrofotografie hat man bei diesen Lösungen eine Art "live"-Beobachtungserlebnis und muss nicht bis zum Ende der Beobachtungen warten, um das Ergebnis sehen zu können. Die Bearbeitung erfolgt schon "live" und nicht im Nachherein, auch wenn das ebenfalls möglich ist. Die Unterschiede zur Astrofotografie ergeben sich durch die verwendeten Sensoren: DSLRs haben hochauflösende große Sensoren (16 MPx und mehr, APS-C, Vollformat), zwei dieser Lösungen verwenden kleine, niedrigauflösende Sensoren (ca. 1 MPx) mit jedoch relativ großen Pixeln für eine erhöhte Empfindlichkeit, eine auch schon einen 6 MPx-Chip. Das ist also auch ganz anders als bei "Digitalknispen", die zwar ebenfalls kleine Sensoren, jedoch solche mit riesiger Auflösung (10-20 MPx) und winzigen Pixeln verwenden.

Die Lösungen, die ich hier vorstellen werde, unterscheiden sich in vielen Details, letztendlich auch darin, wie "Dummie-freundlich" sie sind, aber haben meiner Ansicht nach genügend Gemeinsamkeiten, um von "einem Ansatz" sprechen zu können.

Nachtrag: Ich nehme an, dass weitere Teleskope dieser Art in der näheren Zukunft erscheinen werden...

Unistellar eVscope

Über den Abenteuer Astronomie-Newsletter stieß ich im November 2017 auf das Unistellar eVscope. Für etwas viel Geld schien eine Lösung für mein Problem tatsächlich Gestalt anzunehmen, auch wenn sie erst frühestens in einem Jahr verfügbar sein würde. Ich habe mich am entsprechenden Kickstarter-Projekt beteiligt (es ist inzwischen abgeschlossen), leider schon zum höchst-möglichen Preis, und bin nun in froher Erwartung des "Wunderteleskops", mit dem zudem ALLES sehr einfach werden soll, denn es richtet sich automatisch aus. Es handelt sich um ein 4,5"-Newton-Teleskop, das einen empfindlichen CMOS-Sensor von Sony anstelle des Sekundärspiegels aufweist und auf einer einfachen AZ-GoTo-Montierung steht (sic!). Statt eines optischen Okulars besitzt es eine "okularähnliche" Einrichtung zur Betrachtung eines elektronischen Bildschirms (wie ein elektronischer Sucher bei Digitalkameras).

    
  • Erweiterte Bildverarbeitungstechnologie
    für unglaubliche Ausblicke auf den Nachthimmel
  • Autonome Felderkennung
    einfache Lokalisierung und lernfähig
  • Kampagnenmodus
    spüren Sie den Nervenkitzel wissenschaftlicher Entdeckungen
  • Verbunden
    Mit dem Smartphone steuerbar und die Ergebnisse teilbar in sozialen Medien
  • Tragbar und autonom
    Trage es überall hin und benutze es dort
    

Das Bild kann auf Smartphones, Tablets und Computer übertragen werden, so dass man seine Bilder auch parallel zur Beobachtung anderen zeigen und anschließend weiter geben kann. Das Bild ist farbig, aber im Vergleich zu DSLR-Aufnahmen deutlich geringer aufgelöst. Es ist eben eine Lösung für Leute, die es besonders einfach haben wollen, aber trotzdem "live" einen ähnlichen Eindruck haben möchten, wie sie ihn von Fotos kennen. Das Teleskop ist zudem recht unempfindlich gegen Lichtverschmutzung (die Software versucht sie zu berücksichtigen).

Hier die technischen Daten zum Vergleich mit Stellina und Hiuni (unten):

Hardware (Optik)

    

Elektronik

    

"Smarts"

  • Vergrößerung: 50 x / 100 x / 150 x (Digitalzoom)
  • Maximale Magnitude: Bis zu 16 mag unter normalem Nachthimmel
  • Spiegeldurchmesser: 4,5" (114 mm)
  • Brennweite: 450 mm
  • Öffnungsverhältnis: 1:4
  • Gesichtsfeld: ~30' (0,61° x 0,46°; 1,72" x 1,72" per Pixel*)
  • Motorisierte Alt-AZ-Montierung
  • Gewicht: 7 kg mit Stativ

*) Berechnet mit Astronomy.tools

 
  • Sensormodell: Sony IMX224 (CMOS) - Details siehe unten
  • Ausleserauschen: < 1e-
  • Display: Micro-OLED (1.000.000:1 Kontrastverhältnis)
  • Batterielaufzeit: bis zu 10 Stunden
  • 6-Achsen Kompass/Beschleunigungsmesser
  • Drahtlose Verbindungen: Wifi oder Bluetooth für Steuerung per Smartphone oder Computer und GPS-Zugang (kein GPS-Modul eingebaut)

Sensordaten

  • Sony Exmor IMX224 Farb-CMOS-Sensor - 1,2 MPixel
  • Sensorgröße: 1/3" diagonal* (4,8 mm x 3,6 mm)
  • Pixelauflösung: 1280 x 960 Pixel (1305 x 907 effektiv)
  • Pixelgröße: 3,75 µm x 3,75 µm

*) Diagonale: 6,09 mm (Typ 1/3, Quad VGA mode) oder 5,59 mm (Typ 1/3,2, HD720p mode)

 
  • Autonome Felderkennung (Autonomous field detection)
  • Vollautomatische Ausrichtungsprozedur
  • Automatisches Zeigen (Automatic pointing)
  • Automatische Verfolgung von Himmelsobjekten mit Rückmeldung
  • Feldderotation = Entfernung der Drehung des Gesichtsfeldes (Field derotation)
  • Intelligente Bildverarbeitung
  • Intelligente Sensoreinstellung
  • Reduzierung der Lichtverschmutzung

Die Auslieferung war anfangs für November 2018 vorgesehen, wurde jedoch nach Zusammenarbeit mit einem professionellen Teleskophersteller auf den Mai 2019 verschoben, um Zeit für "industrielle Prototypen" zu schaffen. Mehr zu diesem Teleskop auf Seite Unistellar eVscope.

Atik Infinity

Ich habe meinen Teleskop-Händler zum eVscope befragt, und seine Antwort war nicht gerade ermutigend: er hielt es für ein Spielzeug (das er sich aber vielleicht doch anschaffen würde, wenn es verfügbar ist). Außerdem meinte er, dass eine Atik Infinity-Kamera an einem 6"-Newton eine flexiblere Lösung darstellen wäre. Damit hatte er mir natürlich ein Stichwort gegeben, dem ich weiter nachging, denn es sollte ja noch mindestens ein Jahr dauern, bis das eVscope ausgeliefert werden würde - und so lange wollte ich eigentlich nicht warten.

Ich merkte schnell, dass ich dieser Kamera schon einmal begegnet war, jedoch ohne zu erkennen, worin ihr besonderer Reiz für viele Hobbyastronomen besteht (und zu teuer war sie mir zu der Zeit auch...). Mein Händler meinte ebenfalls, dass die Kamera zu teuer sei und riet mir zu einem Gebrauchtkauf. Deshalb habe ich in zwei Astro-Foren eine Suchanzeige aufgegeben - und erhielt ein Angebot eines offensichtlichen Betrügers (wie ich auf Nachfrage bei einer französischen Funkamateur-Website erfuhr, wo dieser "Anbieter" schon bekannt war...). Dann stieß ich auf die Website einer mir bis dahin unbekannten Teleskop-Leasing-Firma und konnte dort das "Weihnachtsangebot" für einen guterhaltenen Gebrauchtkauf nutzen. Nun ist die Kamera mein, wegen des Wetters noch nicht viel benutzt - und erklärt, was diese Kamera ausmacht, habe ich auch noch nicht... Diese Kamera, mit einem CCD-Sensor von Sony ausgestattet, zeichnet kontinuierlich Bilder auf, die auf einem Computer mit der Atik Infinity-Software in Echtzeit überlagert werden ("image stacking" genannt), so daß man auf dem Computermonitor mehr oder weniger den Eindruck einer "live"-Beobachtung hat, wobei sich die Bilder durch die Überlagerung kontinuierlich verbessern (das eVscope, Stellina und Hiuni funktionieren ähnlich). Die Bilder können aufgezeichnet und nachträglich bearbeitet werden. Und was für mich auch noch wichtig war, eine einfache AZ GoTo-Montierung reicht für die Nachführung aus! Im Gegensatz zum eVscope und Stellina, sieht das Ganze viel technischer aus, auch weil man bei der Kamera bestimmte Eingriffsmöglichkeiten hat. Aber einen Vorgeschmack auf das, was einem beim eVscope und bei Stellina erwartet, gibt es allemal.

Fotos: Atik Infinity Colour-Kamera, unten links mit zusätzlichem schraubbarem 12 V-Adapter, unten Mitte und rechts mit Explorer 150PDS

Wie sieht diese Lösung in der Praxis aus? Nicht viel komplizierter, als wenn ich mit der Star Discovery AZ GoTo-Montierung allein arbeite. Seit Anfang 2018 verwende ich das Celestron StarSense-Modul für die Ausrichtung der Star Discovery-Montierung und ziehe damit mit dem eVscope hinsichtlich der Ausrichtung "gleich". Nachdem Teleskop und Montierung ausgerichtet sind, setze ich die Kamera in die Okularhalterung, schließe sie an die 12 V-Stromversorgung, die zwei Ausgänge hat (einen belegt die Steuerung), und per USB-Kabel an mein Laptop an, auf der ich die Atik Infinity-Software laufen lasse (auf dem Mac mit dem Windows-Emulator Parallels Desktop). Auf dem Monitor sehe dann mehr oder weniger "live", was ich beobachte, wobei das Bild durch "Image Stacking" iterativ verbessert wird.

Im Grunde ist das Ganze also eine Art "Bausatz-Lösung" im Vergleich mit den"Fertig"-Lösungen eVscope, Stellina und Hiuni. Der Sensor der Atik Infinity hat eine geringfügig höhere Auflösung und größere Pixel als das eVscope, das Ergebnis sollte also geringfügig besser sein, insbesondere, wenn ich meinen 6"-Newton-Tubus verwende. Ich denke, dass der mit der Atik Infinity verbundene Aufwand für mich absolut vertretbar ist. Und sie gilt ja auch immer noch als "Anfänger-Lösung"...

Hinzufügen möchte ich noch, dass ich inzwischen gelernt habe, dass es ähnliche Kameras wie die Atik Infinity gibt, aber die Infinity stellt wohl die einfachste und am weitesten verbreitete Lösung dar.

Mehr zur Atik Infinity-Kamera findet sich auf den Seiten Atik Infinity Colour-Kamera, Atik Infinity Colour-Kamera - Erfahrungen und Atik Infinity Colour-Kamera - Software.

Vaonis Stellina

Auf das Stellina-Teleskop von Vaonis, auch aus Frankreich, bin ich erst Anfang Januar 2018 gestoßen, weil es wie das Unistellar eVscope auf der CES 2018 in Las Vegas vorgestellt und in einer entsprechenden Meldung neben dem eVscope erwähnt wurde.

Foto: Das Vaonis Stellina-Teleskop (von der Vaonis-Website (FR/EN))

Seine technischen Daten sind auf der Vaonis-Produktseite (FR/EN) nach etwas Blättern zu finden (eigene Übersetzung):

Technik      Optik      Montierung
  • Gewicht: 7 kg
  • Größe: 49 x 39 x 12 cm
  • Stromversorgung: Netzanschluß mit micro-USB 5V 2A Netzteil
    Optionales mobiles tragbares Ladegerät
  • Autonomie: ≈ 10 Stunden mit einem externen 20.000 mAh Akku
  • Bildbearbeitung: Integriert und ans Ziel angepasst
  • Ausrichtung: Automatisch
  • Wasserbeständigkeit: IP53
  • Eingeschlossenes Zubehör: Stativ, Stromversorgungsadapter
  • Steuerung: Smartphone/Tablet
 
  • Objectiv: ED Doublet Refraktor
  • Öffnung: 80 mm
  • Brennweite: 400 mm
  • Öffnungsverhältnis: f/5
  • Fokussierung: Integrierter Autofocus
  • Gesichtsfeld: 1° x 0,7° (1,06° x 0,71°; 1,24" x 1,24" per Pixel**)

Sensor*

  • Sensor: Sony 1/1,8" CMOS IMX178 - 6.4 M
  • Pixelauflösung: 3096 x 2080
  • Pixelgröße: 2,4 µm x 2,4 µm
 
  • Typ: Alt-Azimutal
  • Zeigen: Automatisch mit "Stern-Anpeil"-Technology
  • Führung (Guiding) : Autonomes "Autoguiding" inklusive
  • Feldderotation: Enthalten und vom integrierten Computer gesteuert

*) Ich fand im Web, dass jemand die ZWO ASI178MC Kamera, die den IMX178-Sensor besitzt, an einen Orion Short Tube 400 mm f/5 Refractor mit 80 mm Öffnung angeschlossen hat; diese sehr ähnlichen technische Daten legen nahe, dass meine Vermutung über den Sensor stimmen könnte. Mittlerweile hat Vaonis mir das auch bestätigt.
**) Berechnet mit Astronomy.tools

Wie das eVscope richtet sich das Stellina-Teleskop automatisch aus (autonome Felderkennung), kann Objekte automatisiert anfahren, die Feldrotation herausrechnen und die Lichtverschmutzung berücksichtigen. Es sitzt ebenfalls auf einer Alt-Azimuth-Montierung, allerdings einer zweiarmigen, die stabiler sein sollte, und sogar das Gewicht ist mit 7 kg vergleichbar.

Aber es gibt auch deutliche Unterschiede: Das Stellina-Teleskop ist ein Refraktor mit neuerdings zwei asphärischen ED-Gläsern, 80 mm Öffnung und 400 mm Brennweite, was ein Öffnungsverhältnis von f/5 ergibt. Der verbaute Sony CMOS-Sensor löst mehr als doppelt so hoch auf wie der des eVscopes (und wie der CCD-Sensor der Atik Infinity). Das Teleskop ist für Weitfeld-Beobachtungen vorgesehen und hat ein Gesichtsfeld von 1° x 0,7° (also zwei Mondbreiten). Unistellar gibt hingegen für das eVscope ein Gesichtsfeld von ~30' an (ca. 0,5°, etwa Mond- oder Sonnendurchmesser). Und während das eVscope ein Okular hat, durch das man auf einen kleinen "Bildschirm" blickt, hat das Stellina-Teleskop gar kein Okular mehr, sondern man "beobachtet" nur auf dem Smartphone oder Tablet.

Mit zunächst 2.000 EUR lag der Preis in etwa auf dem Niveau des Preises des eVscope nach dem Ende der Kickstarter-Kampagne. Inzwischen ist der Preis aber auf 3.000 EUR angestiegen. Die Lieferung ist für April 2019 geplant (Stand: November 2018).

Hiuni

Auf das Hiuni-Teleskop von ComingSoon Tech, vermutlich aus China und den USA, bin ich im Mai 2018 gestoßen, weil es auf den Kickstarter-Seiten des Unistellar eVscopes diskutiert wurde und im Mai 2018 auch eine Kickstarter-Kampagne für dieses Teleskop gestartet wurde. Die Auslieferung wird für Juni 2019 versprochen. Das ist ein Monat später als der neue eVscope-Termin. Die Idee zum Hiuni-Teleskop entstand Anfang 2015, ein erstes Design-Konzept im Herbst 2015 (siehe die Timeline auf der Kickstarter-Seite).

Foto: Das Hiuni-Teleskop (von der ComingSoon Tech-Website)

Hier einige technischen Daten zum Vergleich mit eVscope und Stellina:

Optik

    

Elektronik

    

Smart Features (einige)

  • Cassegrain (Sucher: Refraktor)
  • Vergrößerung: unbekannt
  • Maximale Magnitude: 12,8 mag (Sucher: 8,4 mag)
  • Spiegeldurchmesser: 6 " (152,4 mm)
  • Brennweite: 1524 mm
  • Öffnungsverhältnis: 1:10
  • Gesichtsfeld: ~16' (0,27° x 0,20°*; 0,7" x 0,7" per Pixel*)
  • Motorisierte Alt-AZ-Montierung
  • Gewicht: 10-13 kg mit Stativ

*) Berechnet mit Astronomy.tools

 
  • GPS
  • Beschleunigungsmesser
  • Magnetometer
  • Drahtlose Verbindungen: Wifi
  • Akkulaufzeit: unbekannt (Akku eingebaut)

Sensordaten

  • Zwei Sensoren: Aptina MT9M001-C/M (Teleskop farbig/Sucher schwarz-weiß, CMOS)
  • Sensorgröße: 1/2"
  • Pixelauflösung: 1280 x 1024 Pixel
  • Pixelgröße: 5,2 µm x 5,2µm
 
  • Vollautomatische Ausrichtungsprozedur
  • GoTo-Funktion
  • Automatisches Verfolgen (Tracking)
  • Image Stacking
  • Zwei Live Views (Teleskop, Sucher)
  • Diverse Lernhilfen und Unterstützungen

Mehr zu diesem Teleskop auf Seite Hiuni: A Smart, Connected GoTo Telescope (Kickstarter).

Nun noch ein paar Worte zu diesem Teleskop aus meiner Sicht. Als ich die Kickstarter-Kampagne fand, war das Teleskop nur noch für zwei Stunden zum Preis von $489 zu erhalten, nun kostet es bereits $539. Das ist immer noch viel billiger als der vorgesehene Endpreis - und viel billiger als das eVscope und Stellina. Dennoch mochte ich mich nicht so schnell entscheiden, zumal ich einige Zweifel am Teleskop habe. Zum einen erstaunt der niedrige Preis, und es gibt bereits Leute auf der Kickstarter-Seite, die bezeifeln, dass das Teleskop überhaupt zu diesem Preis geliefert werden kann. Ich habe da auch meine Zweifel... Aber entscheidender für mich ist, dass ich das Konzept des Hiuni-Teleskops nicht ganz nachvollziehen kann. Und außerdem ist es mir etwas zu groß und schwer.

Zum Hiuni-Konzept: Als Cassegrain-Teleskop mit langer Brennweite, geringem Öffnungsverhältnis und kleinem Gesichtsfeld, ist das Hiuni eher als Planeten- und Mond-Teleskop geeignet, denn als Deep-Sky-Teleskop. Trotz der großen Öffnung ist die maximale Magnitude dementsprechend klein (unter 13 mag). Zwar wird es auch für lichtstärkere DSOs angepriesen, aber seine Stärken liegen sicher an anderer Stelle. Da mich aber vornehmlich DSOs interessieren (für Mond und Planeten habe ich meine Maksutovs...), interessiert mich das Hiuni-Teleskop weniger.

Vergleichstabelle

Zum Abschluss eine Vergleichtabelle, in der man auch sehen kann, wie die unterschiedlichen Sensoren und bei der Atik Infinity-Kamera, die unterschiedlichen Teleskope (oder besser, ihre Brennweiten), die Auflösung beeinflussen.

Teleskop/Kamera > Hiuni Stellina eVscope
Infinity
Hersteller Bosma Vaonis Unistellar
Atik
Teleskop (AI) Custom, Cassegrain Custom, Refraktor Custom, Newton 6" Newton
Explorer 150PDS, StarBlast 6, ...
5" Newton
Heritage P130, Sky Prodigy 130, ...
4,5" Newton
Heritage 114N, StarBlast 114, ...
4.5" Newton
StarBlast 4.5, ...
Hersteller (AI)       SkyWatcher, Orion Sky-Watcher, Celestron Sky-Watcher, Orion Orion
Brennweite 1540 mm 400 mm 450 mm 750 mm 650 mm 500 mm 450 mm
Öffnung 154 mm 80 mm 114 mm 150 mm 130 mm 114 mm 114 mm
Öffnungsverhältnis f/10 f/5 f/4 f/5 f/5 f/4,5 f/4
Auflösungsvermögen Teleskop (Dawes) 0,79"§/0.75"* 1,45"* 1,02"* 0,77"* 0,89"* 1,02"* 1,02"*
Auflösungsvermögen Teleskop (Rayleigh) 0,92"§ 1,73" 1,12" 0,92" 1,06" 1,12" 1,12"
Sensor Aptina MT9M001-C/M Sony IMX178 Sony IMX224
Sony ICX825
Sensortyp CMOS CMOS CMOS
CCD
Pixelauflösung 1280 x 1024 3096 x 2080 1280 x 960
1392 x 1040
Pixelgröße 5,2 µm x 5,2 µm 2,4 µm x 2,4 µm 3,75 µm x 3,75 µm
6,45 µm x 6,45 µm
Auflösung H 0,27°/16,2'
10,3° (Sucher)
1° (1,06°/63,6'*) ~30' (0,5°)
(0,61°/36,7'*)
0,69°/41,16'** 0,79°/47,49'** 1,03°/61,74'** 1,14°/68,60'**
Auflösung V 0,2°* 0,7° (0,71°*) 0,46°* 0,51°* 0,59°* 0,77°* 0,85°*
Auflösung/Pixel 0,7"* 1,24"* 1,72"* 1,77"** 2,05"** 2,66"** 2,96"**

*) Mit Astronomy.tools berechnet; **) eigene Berechnungen, mit Astronomy.tools überprüft
+) auch berechnet aus 114/Öffnung; ++) berechnet aus 138/Öffnung; § Herstellerangabe

Die technisch gesehen einfachste Lösung nach dem eVscope, Stellina oder Hiuni wäre vermutlich eine Kombination aus Celestron Sky Prodigy 130 und der Atik-Infinity-Kamera. Zur Zeit (Anfang März 2018) würde diese Kombination in Deutschland etwa 900 bis 920 EUR + 1090 EUR, also mit Porto um die 2000 EUR kosten - so viel, wie das eVscope nach der Kickstarter-Kapagne kosten soll...

Das Stellina von Vaonis hat ein fast doppelt so großes Gesichtfeld wie das eVscope, so dass es auch für ausgedehntere DSO tauglich ist. Die gut 4-fach höhere Sensorauflösung schlägt sich jedoch in der Detailwiedergabe weniger deutlich wider: ein 15' großes Objekt (z.B. M 13 im Herkules) erstreckt sich beim eVscope über 523 Pixel, beim Stellina über 726 Pixel; das ist ein Faktor von fast 1,4 - nicht welt-bewegend... Neben der Pixelzahl ist aber auch noch die "Qualität" der Pixel (Rauschverhalten usw.) von Bedeutung, zu der ich im Moment nichts sagen kann, außer, dass die Pixel des eVscope-Sensors deutlich größer sind als die des Stellina-Sensors (3,75 µm gegenüber 2,4µm).

Das Hiuni-Telskop ist, wie schon geschrieben, eher für die Beobachtung von Planeten und des Mondes als für DSOs geeignet. Daran ändern auch die große Öffnung und die großen Pixel nichts, die maximale Magnitude ist mit 12,8 vergleichweise niedrig. Das Gesichtsfeld erfasst nur den halben Mond! Aber vielleicht kann Hiuni bei einigen kleineren DSOs (z.B. Kugelsternhaufen, Ringnebel M 57) seine Stärken ausspielen... Beachten Sie, dass ein 15'-Objekt wie der Herkules-Kugelsternhaufen M 13 fast die gesamte Breite des Bildfeldes des Huini-Teleskops abdeckt (und größer ist als dessen Höhe). Damit bietet Hiuni etwa doppelt soviel Pixel für dieses Objekt als das eVscope.

Eine weitere Sache fällt mir noch auf, aber mir fehlt das Wissen, dies genauer zu bewerten. Bei allen gezeigten Lösungen für die Atik Infinity löst das Teleskop mehr als 2-fach besser auf (nach Dawes) als der Pixelauflösung des Sensors entspricht. Man könnte also sagen, dass die Teleskop-Tuben "überdimensiniert" für die Kamera sind. Beim eVscope hat man immerhin noch den Faktor von fast 1,7, aber bei Stellina und Hiuni löst der Sensor besser auf als das Teleskop. Hier könnte man sagen, dass der Sensor "überdimensioniert" ist und dass das Teleskop nicht ganz damit Schritt halten kann. Was dies in der Praxis bedeutet, kann ich zur Zeit leider nicht sagen...

 

Zusammenfassung

Wenn man bereit ist, etwas Geld in die Hand zu nehmen, aber nur dann, gibt es tatsächlich Lösungen, die man als "Deep-Sky-Fotografie für Dummies und Faule", einschließlich "quasi-Live-Beobachtung", bezeichnen kann. "Echte" Astrofotografie ist im übrigen auch nicht ganz billig. Ich habe zwei Lösungen vorgestellt, die ich selbst besitze bzw. hoffe im Mai 2019 zu besitzen und zwei weitere, auf die ich Anfang bzw. im Mai 2018 gestoßen bin; sicher werden weitere folgen. Sie kommen in keinster Weise an die Ergebnisse heran, die man mit "echter" Astrofotografie erzielen kann, aber sie bieten ein "quasi-Live-Erlebnis", das man zudem mehr oder weniger schnell erreichen kann. Sie erfordern nicht, dass man lange auf das Ergebnis warten oder viel Zeit und Mühe in die Nachbearbeitung stecken muss. Natürlich kann man die Bilder nachbearbeiten und weitergeben, aber man darf keine "Wunder" erwarten, was die Qualität der Bilder, inbesondere deren Auflösung, angeht. Sobald ich Beispiele zeigen kann, werde ich dies tun (siehe Atik Infinity Fotogalerie), aber man kann diese für alle Lösungen ausreichend im Internet finden.

Die eine der beiden Lösungen, die ich zu kaufen beschlossen habe, besitze ich bereits, die Atik Infinity-Kamera, konnte sie aber noch nicht ausreichend ausprobieren. Es jedoch schon ein paar erste Ergebnisse. Auf die Lösung andere muss ich bis mindestens Mai 2019 warten. Insofern kann ich hierfür noch keine praktischen Erfahrungen mitteilen.

 

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29.11.2018