Vaonis Vespera - Erstes Fazit (Nach einem halben Jahr)

Einführung | Bildqualität | Bildgröße | Design versus Handhabung | Beobachten mit dem Vespera | Weitere Problembereiche... | Abschluss | Links || Anhang: Singularity-Wunschliste | Anhang 2: Letter to Vaonis

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Auf dieser Seite ziehe ich nach einem guten halben Jahr ein erstes Fazit zu meinem elektronischen 2"-Linsenteleskop Vaonis Vespera 50 mm/200 mm (f/4). Im Anhang präsentiere ich noch eine kleine "Wunschliste" für die Singularity-App.

Hinweis: Im Juni 2024 verkaufte ich mein Vaonis Vespera Smart Telescope. Deshalb kann ich hier keine weiteren Erfahrungen damit mehr berichten.

 

Einführung

         

Fotos: Mein Vaonis Vespera (Ende Juli 2022)

Nach einem guten halben Jahr mit dem Vaonis Vespera (Ende Februar 2023), möchte ich versuchen, ein erstes Fazit zu ziehen. Zunächst einmal freue ich mich, auf den Vespera-Zug "aufgesprungen" zu sein und das Vespera bei der Kickstarter-Kampagne auch deutlich günstiger erworben zu haben. Zum anderen ist mein Urteil über das Vespera zwangsläufig durch das beeinflusst, was ich mit dem originalen Unistellar eVscope und dem eVscope 2 erlebt habe und mit dem eVscope 2 noch erlebe. Und so werde ich bei diesem ersten Fazit immer wieder einen Vergleich zum eVscope (2) herstellen.

 

Bildqualität

Die Bildqualität des Vaonis Vespera ist deutlich besser als diejenige der diversen eVscope-Varianten von Unistellar. Das Vespera zeigt als Refraktor (meistens...) saubere runde Sterne und auch keine Spikes an großen Sternen wie das eVscope, das ein Newton-Teleskop ist; Spikes sind sicher eine Frage des persönlichen Geschmacks...

Aber wie das eVscope zeigt auch das Vespera "Spuren", die vielleicht von der Feldrotation herrühren (walking pattern noise) und den Bildeindruck stören können.

M 78, 7.2.2023 - Original, 2120s

Foto: Dieses Foto von M 78 zeigt die "Spuren", die ich oben erwähnt habe (Original ansehen)

Im Gegensatz zum eVscope, dessen Bilder sich mit der Zeit nicht mehr verbessern (nach etwa 5 Minuten; laut meiner Erfahrung und Testberichten), werden Vespera-Bilder im Laufe der Zeit immer heller und detailreicher (das kann man sich als Animation anzeigen lassen oder man kann aus den Stack-Fotos (JPEG) eine Animation erstellen, sofern diese gespeichert werden). Für Bildbeispiele siehe Seite Fotovergleich Vaonis Vespera gegen Unistellar eVscope (2) - Teil 3.

Leider "wachsen" dabei auch die Sterne, so dass sie im Laufe der Zeit immer störender werden (beim eVscope wachsen die Sterne nach der "Anfangsphase" nicht mehr). Ich fand die Sterne auf meinen Fotos von Anfang an zu groß, vor allem, wenn ich diese mit Beipielfotos von Vaonis verglich. Vaonis bestätigte mir das auch, als ich deswegen anfragte:

Mit anderen Worten: man bekommt die Sterne nur kleiner, indem man diese entsprechend nachbearbeitet (das sollte dann vielleicht bei den von Vaonis veröffentlichten Fotos angemerkt werden). Ich habe gelesen, dass dies zum Beispiel mit GIMP möglich sein soll, habe aber bisher nichts in dieser Richtung unternommen. Seit kurzem habe ich jedoch einen einfacheren, aber auch teuren Weg gefunden, um zu kleineren Sternen zu gelangen: der Dual Band-Filter schwächt Sterne deutlich ab (der Lichtverschmutzungsfilte so gut wie gar nicht); bei meiner typischen Nachbearbeitung (Aufhellung) werden sie allerdings, wie die folgenden Fotos zeigen, wieder etwas verstärkt:

    

IC 1805, 1.11.2022 - Original, 3750s, Mosaik

 

IC 1805, 1.11.2022 - groß, Foto links bearbeitet

 

IC 1805, 20.2.2023 - Original, 3270s, Mosaik, Dual Band-Filter

 

IC 1805, 20.2.2023 - groß, Foto links bearbeitet

Fotos: Beispiele für Abschwächung der Sterne durch den Dual Band-Filter und Hervorhebung durch meine Nachbearbeitung (Aufhellung).

Die Farben sehen in meinen Augen beim Vespera besser oder "natürlicher" aus als beim eVscope, aber Farben sind bei Astronomiefotos natürlich "Schall und Rauch". Nimmt man die Fotos mit einem Filter auf, werden die Farben ohnehin, je nach Durchlassverhalten des eingesetzen Filters, in bestimmte Richtungen verschoben.

Siehe zum Beispiel Seite Fotovergleich Vaonis Vespera gegen Unistellar eVscope (2)!

Insgesamt sehen die Vespera-Fotos für mich schon deutlich mehr nach "Astrofotografie" aus als die eVscope-Fotos, vor allem in den von Vaonis bearbeiteten Beispielen (man kann wohl kaum erwarten, Ähnliches selbst zu erreichen...). Natürlich sind sie davon immer noch "meilenweit" entfernt, aber mir gefallen die Ergebnisse, die ich mit dem Vespera erzielen kann!

 

Bildgröße

Gesichtsfeld

Das Vaonis Vespera bietet ein Gesichtsfeld von 1,6° x 0,9°, und das bei 1920 x 1080 Pixeln (HD-Format). Da die Singularity-App das Bild im Laufe der Beobachtung immer weiter beschneidet (wohl hauptsächlich wegen der Feldrotation), hat das Endresultat aber oft erkennbar weniger Pixel (bei der Animation des Bilderstapels scheint deshalb das Objekt zu wachsen; in Wirklichkeit bleibt es konstant groß, doch das Bild wird kleiner). Ich bin kein Freund des HD-Formats, aber ich könnte die Fotos natürlich auf andere Formate beschneiden.

M 52 und NGC 7635, 25.8.2022 - Original (94 Frames = 940 s)

Foto: Beispiel für Gesichtsfeld und Bildgröße des Vespera - mit dem Vorteil, dass zwei Objekte ins Bildfeld passen

Mosaik-Modus

Seit der Mosaik-Modus (covalENS) für das Vespera angeboten wird, kann man das Bildformat in unterschiedliche Größen bringen (bis zum 4-fachen des Originalformats*), einschließlich eines quadratischen Formats. Außerdem kann man das Bildfeld drehen, so daß man Objekte einzeln oder zusammen besser im Bildfeld platzieren kann. Das ist fast so, als ob man die Kamera drehen könnte... In meinen Augen ist der Mosaik-Modus ein richtiger "Game Changer", denn dadurch eröffnen sich ganz andere Aufnahmemöglichkeiten im "Rich Field-Bereich". Auf der anderen Seite werden die Objekte an sich deutlich kleiner als beim eVscope; was dort schon zu klein war, wird noch kleiner. Damit fallen viele kleine Ziele (besonders kleine planetarische Nebel und Galaxien) für das Vespera aus, weil sie zu unattraktiv werden. Man kann nicht alles auf einmal haben!
*) Die Objekte selbst werden im Mosaik-Modus genau so groß wie im normalen Aufnahmemodus, nur das Bildfeld wird verändert.

    

M 42/43, 18.1.2023 - Original (65 Frames = 640 Sekunden)

 

M 42/43, 18.1.2023 - Groß (65 Frames = 640 Sekunden), bearbeitet

 

M 42/43 mit NGC 1977, NGC 1980 und 1981, 18.1.2023 - Original (241 Frames = 2410 Sekunden), Mosaik

 

M 42/43 mit NGC 1977, NGC 1980, and 1981, 18.1.2023 - Groß (241 Frames = 2410 Sekunden), bearbeitet

Fotos: Beispiel für normales Foto und Mosaik-Foto von M 42/43

Für mehr Informationen über den Mosaik-Modus siehe Seite Mosaik-Modus.

Erwähnt sei aber noch, dass der Mosaik-Modus die Beobachtungszeiten drastisch verlängert (etwa 40-60 min für einen Duchlauf, 2 und mehr Durchläufe für bessere Ergebnisse).

Außerdem scheinen die "Spuren"* (walking pattern noise), die möglicherweise durch Feldrotation entstehen, bei Mosaiken schwächer ausgeprägt (also besser "herausgerechnet") zu sein.

Bei etwa gleicher Belichtungszeit ist das "normale" Bild jedoch heller, weniger verrauscht und zeigt mehr Details als ein Mosaik (siehe Fotos unten), so dass ich wohl nicht die Empfehlung geben kann, generell den Mosaik-Modus zu verwenden, zumal die Belichtungszeiten bei Mosaiken, wie schon erwähnt, länger sind*.

    

NGC 2359 - 20.2.2023, 1830s, Dual Band-Filter, Ausschnitt

 

NGC 2359 - 20.2.2023, 1960s, Mosaik, Dual Band-Filter, Ausschnitt

Fotos: Ausschnitte aus Fotos, um die Spuren der Bildfeldrotation bei "normalen" Aufnahmen und bei Mosaiken zu zeigen (Fotos für größere Versionen anklicken)

*) Mein Eindruck, dass der Walking Pattern Noise im Mosaik-Modus geringer ist, wurde durch eine Rezension des Vespera auf der Astroshop-Website bestätigt:

Ich habe deshalb Vaonis am 23.5.2023 gefragt, ob beim Mosaik-Modus Dithering eingesetzt wird und ob man den Mosaik-Modus generell einsetzen sollte:

Vaonis anwortete (24.5.2023):

Siehe dazu auch Anhang 2!

 

Design versus Handhabung

Das Vespera sieht ein bisschen so aus, als wäre es von Apple designed worden, einschließlich eines magnetischen Steckers für die Stromversorgung. Es ist klein, aber mit 5 kg wirkt es für seine Größe doch schon schwer und ist kopflastig. Vor allem wegen des Schwenkarms finde ich das Vespera deshalb etwas mühsam zu tragen und am Stativ zu befestigen. Es kann einem schon leicht mal aus der Hand fallen oder rutschen, vor allem, wenn sich der Schwenkarm wegdreht. Wäre das Vespera nicht solch ein "Designobjekt", hätte man vielleicht einen Griff oder andere Hilfsmittel angebracht, welche das Tragen und die Handhabung vereinfachen würden...

Magnetstecker, Dosenlibelle

Und mit dem Magnetstecker des Netzteils habe ich auch so meine Probleme beim Anschließen der Stromversorgung an das Vespera, da muss ich immer auf den Boden... Ein "Highlight" im negativen Sinne ist für mich auch die Dosenlibelle, die man magnetisch an der Buchse für die Stromversorgung befestigen kann. Jedesmal, wenn ich das Vespera anfasse, komme ich dagegen und sie fällt mir herunter. Dieses wird wohl das erste Teil sein, das ich verlieren werde... Schön im praktischen, wenn auch nicht im designerischen Sinne, wäre gewesen, wenn Vaonis eine Art Fach für die Dosenlibelle am Gehäuse angebracht hätte, in der man diese sicher und wiederfindbar verstauen könnte.

(ausziehbares) Stativ

Weitere Probleme habe ich mit dem ausziehbaren Stativ, das Teil des Adventurer Packs war. Es fällt mir schwer, die drei Beine an den Stativkopf zu schrauben (Gewindesteigung zu flach?) und auch diesen am Vespera anzuschrauben (ich lege das Vespera wie von Vaonis empfohlen flach hin). Ich habe mir deshalb einen Rollei Schnellwechsel-Adapter angeschafft (etwas Ähnliches gibt es bei Vaonis zum mehrfachen Preis...), aber werde damit auch nicht richtig glücklich (das Einsetzen mit dem kopflastigen Vespera ist damit "hakelig").

Einschalter

Vaonis schreibt, dass man den Einschalter nicht drücken muss, sondern dass eine Berührung ausreicht, um ihn zu betätigen. Das kann ich bestätigen, aber im negativen Sinne, denn immer wenn ich das Vespera anzufassen versuche, komme ich unabsichtlich gegen den Einschaltknopf und schalte das Gerät ein. Im Zweifelsfall bemerke ich das nicht, und das Gerät saugt den Akku leer (vermutlich schaltet sich das Vespera nach einer bestimmten Zeit wieder ab, wenn es nicht benutzt wird).

 

Beobachten mit dem Vespera

Beobachten, Singularity-Software

Während das eVscope bei einigen Modellen einen elektronischen Sucher anbietet, propagierte Vaonis von Anfang an das Beobachten per Smartphone/Tablett. Auf letzterem läuft die Steuerungssoftware, und zwar kenne ich nur die Singularity-App und nicht die Vorgängerversion. Diese App ist etwas umfangreicher als die anfängliche App von Unistellar (inzwischen gibt es auch dort eine neue und umfangreichere App in der Version 2). Ich komme auf jeden Fall mit der App gut klar und denke, andere werden das auch. Als angenehm empfinde ich, dass Singularity viel stabiler läuft als die Unistellar-App, bei der Abstürze immer noch gang und gäbe sind, bzw. man kommt oft nur weiter, wann man die App abbricht und neu startet.

WLAN-Reichweite

Als Hauptproblem bei der Vespera/Singularity-Kombination sehe ich WLAN-Reichweitenprobleme an, und das auch schon, wenn diese noch gar nicht von der App angezeigt werden. Dann springt die App manchmal um einige Zeit zurück und zeigt einen älteren Stand der Beobachtung. Um wieder auf den aktuellen Stand zu gelangen, nähere ich mich dem Vespera, bis es sich wieder aktualisiert. Wenn WLAN-Reichweitenprobleme angezeigt werden, mache ich übrigens das Gleiche. Insgesamt scheint die WLAN-Reichweite des Vesperas etwas besser zu sein als die des eVscopes, bei dem ich im Grunde gar nicht "von der Küche aus" beobachten kann (das Teleskop steht auf der Terrasse). Das ist mit dem Vespera möglich, wenn man bereit ist, bei Reichweitenschwankungen zum Teleskop zu gehen und die Verbindung wieder herzustellen (so mache ich es beim eVscope auch, aber viel öfter...).

Beobachtungsdauer und -"stil"

Während man mit dem eVscope bei 5 Minuten Beobachtungszeit "fertig" ist und kaum noch Verbesserungen zu erwarten sind (Sternhaufen sind schon eher "fertig"), empfiehlt Vaonis für Objekte, die sich im Katalog befinden, Beobachstungszeiten - und die beginnen bei 15 Minuten und erreichen bei Nebeln aber auch schon mal 2 Stunden. Anfangs war ich allerdings zu neugierig, um die empfohlenen Zeiten abzuwarten und habe kürzer beobachtet...

Hauptsächlich wegen dieses Unterschieds kann man beim eVscope schon mal am Abend 20 DSO und mehr beobachten, während es beim Vespera eher weniger als 10, und vielleicht auch nur 1-2, sind. Auch insgesamt läuft beim Vespera alles langsamer als beim eVscope ab (das Vespera bewegt sich recht langsam, macht dafür aber auch wenig Lärm!), so dass sich in meinen Augen beim Vespera ein ganz anderes Beobachtungserlebnis ergibt. Und ich denke, dass das eVscope besser zum Vorführen von DSO vor anderen Leuten geeignet ist als das Vespera, denn deren Geduld ist meist nach wenigen Minuten pro Objekt "erschöpft"... Allerdings sieht man bei Vespera auch schon nach wenigen Minuten etwas, um das anderen zu zeigen, aber es ist meist vom angestrebten Endzustand weit entfernt...

Beobachtungsziele

Als ich nur visuell beobachtete, suchte ich vornehmlich offene und Kugelsternhaufen auf, denn diese waren mit visuellen Teleskopen am leichtesten zu finden. Nur größere Nebel und Galaxien (und der Mond) kamen noch hinzu. Mit dem eVscope habe ich so ziemlich alles beobachtet, was mir "vor das Teleskop" kam. Dabei finde ich das Gesichtsfeld des originalen eVscopes gut gewählt, wenn auch der Mond leider nicht ganz ins Bild passt. Viele planetarische Nebel und auch einige Planeten bleiben aber kleine Pünktchen, ebenso kleine Kugelsternhaufen und Galaxien. Auf der anderen Seite sind viele Nebel zu groß für das Bildfeld, und man zielt irgendwie "mittenrein" ohne klare Vorstellungen zu haben, was man da eigentlich sehen soll...

Beim Vespera hat sich schnell für mich herausgestellt, dass es eher ein "Nebel-Teleskop" ist. Dabei sind viele Nebel aber für den Originalauschnitt zu groß, und erst der Mosaik-Modus erschließt einem weitere Nebel und andere Ziele, speziell Mehrfachobjekte. Objekte, die im eVscope bereits etwas klein sind, sind dies im Vespera umso mehr und lohnen das Beobachten (meiner Meinung nach...) nicht. Und da das Beobachten mit dem Vespera deutlich langsamer abgeht und man längere Beobachtungszeiten wählen muss, vor allem bei Mosaiks, schadet es nicht, wenn die Auswahl möglicher Ziele etwas beschränkter ist...

Hindernisse

Wenn Objekte nicht gefunden werden, stehen vermutlich Hindernisse wie Häuser oder Bäume im Wege. Aber es kann auch während der Beobachtung passieren, dass das Objekt auf einmal hinter Hindernissen versteckt ist, weil es sich im Laufe der Zeit bewegt - oder es ist von plötzlich aufgetauchten Wolken verdeckt. Für mich ist beim Vespera schwierig zu erkennen, ob sich störende Objekte im Bildfeld befinden. Da die entsprechenden Fotos "aussortiert" werden und nicht auf dem Stack landen, sehe ich gar nicht, dass oder ob etwas im Wege ist! Praktisch fände ich eine Möglichkeit, die Aufnahme selbst sehen zu können (wie sie auch als FITS-Datei abgespeichert werden kann), indem man einen Wechsel zwischen direkter Beobachtung und Bilderstapel-Ansicht ermöglicht.

    

M 82 - Original, 120s, Hindernisse im Bildfeld

 

M 8 - Original, 30s, verdeckt

Fotos: Beispiele von Hindernissen...

 

Weitere Problembereiche...

Initialisierung

Auch das Vespera hat seine Probleme, und die beruhen teilweise auf dem Vaonis-Konzept, die Bedienung so weit es geht zu automatisieren. Als ein Beispiel sei die Initialisierung genannt, bei der sich das Teleskop am Himmel orientiert. Während man das eVscope von Hand in eine Position bringt, wo es auch Ausrichtungssterne finden wird, öffnet das Vespera seinen Arm in der Richtung, wie man es hingestellt hat und versucht dann automatisch eine günstige Position für die Ausrichtung zu finden - und das geht oft schief, weil dort keine passenden Sterne zu finden sind oder ein Hindernis den Himmel verdeckt. Oft genug hat das Vespera bei mir seine Initialisierung ergebnislos abgebrochen, weil es auf Wolken oder Hindernisse stieß. Von Vaonis erhielt ich dazu den Tipp, das Vespera so zu drehen, dass es beim Hochfahren des Arms auf Sterne stößt. So werde ich also in Zukunft "halbautomatisch" initialisieren.

Beim eVscope sieht man übrigens, was es bei seiner Ausrichtung "sieht"; beim Vespera ist das leider nicht der Fall, da kann man nur nach "Augenmaß" schätzen. Würde man etwas sehen, könnte man vielleicht eher die Initialisierung abbrechen und diese neu starten.

Autofocus (AF)

Ein weiteres Problemfeld stellt der Autofokus (AF) für mich dar. Zum einen dauert das Einstellen etwas lange, zum anderen hat der AF auch immer mal wieder den Fokus nicht korrekt eingestellt, was ich aber erst erkennen konnte, wenn ein Ziel beobachtet wurde. Es wäre also nicht schlecht, wenn man eine Art visueller Rückmeldung über den aktuellen Zustand des AF erhalten würde (zum Beispiel das aufgenommene Foto) und nicht nur eine Prozentzahl, wie weit das Vespera mit dem Einstellen des AF ist.

Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich der Fokus im Laufe der Zeit häufig verstellt, so dass es ratsam erscheint, den AF vor jeder Beobachtung zu erneuern (was wiederum Zeit kostet...), zumal die Einzelbeobachtungen ja recht lange dauern können. Um den Autofokus zu erneuern, muss ich bislang erst einmal ein Ziel mit dem Vespera anfahren, die Beobachtung abbrechen, den Autofokus erneuern und das Ziel erneut anfahren. Bequemer wäre es, wenn es ein "GoTo mit AF" gäbe, so dass die Beobachtung nicht als erstes abgebrochen werden müsste... Das könnte man zum Beispiel realisieren, indem man dem GoTo-Befehl eine "Erneuere den AF"-Checkbox "spendiert".

Aktualisierung: Ende März 2023 führte Vaonis die AcutENS-Technik per Software-Aktualisierung ein, die den Autofokus dynamisch, also während der Beobachtung anpasst. Damit sollten Fokusprobleme eigentlich der Vergangenheit angehören. Ich habe allerdings nur wenig Gelegenheit gehabt, dies auszuprobieren und kann deshalb dazu keine Erfahrungen berichten.

 

Abschluß

Ich freue mich, das Vaonis Vespera erworben zu haben und damit auch Fotos in besserer Qualität als mit dem eVscope aufzeichnen zu können. Allerdings muss ich mich doch noch etwas an das langsamere Beobachtungstempo gewöhnen... Vielleicht wäre es eine gute Idee, parallel ein visuelles Teleskop aufzubauen, um die Beobachtungszeit (und auch das visuelle Teleskop) besser nutzen zu können.

Hinweis: Siehe auch meine Singularity-Wunschliste im Anhang!

 

Links


Anhang: Singularity-Wunschliste

Da am Vespera kurzfristig nichts geändert werden kann, bezieht sich meine Wunschliste auf die Singularity-App.

GoTo, das zu Beginn der Beobachtung automatisch den Autofokus erneuert (obsolet)

> Hat sich durch den neuen "Live Focus" (AcutENS) erledigt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich der Fokus des Vespera im Laufe der Zeit häufig verstellt, so dass es ratsam erscheint, den AF vor jeder Beobachtung zu erneuern (was wiederum Zeit kostet...), zumal die Einzelbeobachtungen ja recht lange dauern können. Um den Autofokus zu erneuern, muss ich bislang erst einmal ein Ziel mit dem Vespera anfahren, die Beobachtung abbrechen, den Autofokus aktualisieren und das Ziel erneut anfahren. Bequemer wäre es, wenn es ein "GoTo mit AF" gäbe, so dass die Beobachtung nicht als erstes abgebrochen werden müsste... Das könnte man zum Beispiel realisieren, indem man dem GoTo-Befehl eine "Erneuere den AF"-Checkbox "spendiert".

Visualisierung der Autofokus-Einstellung (obsolet?)

> Hat sich vermutlich durch den neuen "Live Focus" (AcutENS) erledigt.

Apropos Autofokus, es wäre instruktiv, wenn man eine Art visueller Rückmeldung über den aktuellen Zustand des AF erhalten würde (zum Beispiel das aufgenommene Foto) und nicht nur eine Prozentzahl, wie weit das Vespera mit dem Einstellen des AF ist.

Umschaltmöglichkeit zwischen der Ansicht des Bilderstapels und den direkt aufgenommenen Bildern (Live View) während der Beobachtung

Während der Beobachtung kann es passieren, dass das Objekt auf einmal hinter Hindernissen versteckt ist, weil es sich im Laufe der Zeit bewegt - oder es ist von plötzlich aufgetauchten Wolken verdeckt. Mit der Singularity-App ist es für mich schwierig zu erkennen, ob sich störende Objekte im Bildfeld befinden. Da die entsprechenden Fotos "aussortiert" werden und nicht auf dem Stack landen, sehe ich gar nicht, dass oder ob etwas im Wege ist! Praktisch fände ich eine Möglichkeit, die es erlaubt, die Aufnahmen selbst sehen zu können (wie sie auch als FITS-Datei abgespeichert werden kann), indem man einen Wechsel zwischen direkter Beobachtung (Live View) und Bilderstapel-Ansicht ermöglicht.

Bei der Initialisierung und beim GoTo das aktuell aufgenommene Bild anzeigen

Mit der Singularity-App macht der Benutzer einen "Blindflug" bei der Initialisierung und beim GoTo. Lieber wäre es mir, wenn man als Benutzer sehen könnte, was das Vespera gerade "sieht". Das ist nicht nur im Falle von Problemen (Hindernisse, Wolken) nützlich, sondern wird auch nicht so schnell langweilig (für mich sind die animierten Texte beim GoTo schnell langweilig geworden...).

Anmerkungen

Die meisten meiner Vorschläge laufen darauf hinaus, dass man von der Singularity-App besser über dessen interne Vorgänge informiert wird, um ggf. steuernd eingreifen zu können. So wie es gestaltet ist, ist das Vespera samt App aber eher ein "vollautomatisches System", in das der Benutzer möglichst wenig eingreifen soll und kann. Insofern glaube ich kaum, dass meine Vorschläge bei den Entwicklern der Singularity-App auf offene Ohren stoßen werden...

Um das Ganze miteinander in Einklang zu bringen, könnte man zum Beispiel einen "Experten-Modus" einführen, bei dem die Vorschläge umgesetzt sind, während sich die Singularity-App im "Anfänger-Modus" wie bisher verhält. Alternativ könnte man jede dieser Funktionen in den Einstellungen als Option anbieten.


Anhang 2: Letter to Vaonis (Two proposals for the Singularity app and a question... 23.5.2023)

Dear Vaonis Team,

First, I would like to say "thank you" for creating the Vespera smart telescope. Being also an eVscope* owner (first the original one, now the eVscope 2), I found that the Vespera delivers much better image quality, offers CovalENS as a real "game changer", but also requires much more patience than the eVscope. Thus, observing with the Vespera is quite a different thing than observing with the eVscope. And I do not think that it is well suited to demonstrating your observations live to other people (who typically loose interest in an observation after about 3 minutes...).
*) It looks as if Unistellar and Vaonis ignore each other. I do not know why...

Some time ago, I created a page on my Website with preliminary conclusions and a short wish list for the Singularity app (http://www.waloszek.de/astro_va_vespera_faz1_e.php). In part, it is already obsolete thanks to updates to the Singularity app. Here are two still relevant proposals from my wish list:

(1) Switching Option Between the View of the Image Stack and the Directly Captured Images (Live View) during Observations
During an observation, it can happen that the object is suddenly hidden behind obstacles because it moves over time - or it is obscured by clouds that suddenly appeared. With the Singularity app, it is difficult for me to tell whether there are obstructing objects in the field of view. Since the corresponding photos are "sorted out" and do not end up on the stack, I do not even see that or whether something is in the way! I would find it practical to have a way to see the directly captured images themselves (as they can be saved as FITS files) by allowing the user to switch between direct observation (live view) and image stack view.

(2) Show the Actually Captured Image During Initialization and GoTo
The Singularity app lets the user "blind" as to its internal procedures during initialization and GoTo. I would rather have the user know what the Vespera is currently "seeing". This is not only useful in the case of problems (obstacles, clouds), but also does not get boring as fast as the text animations (for me, the animated texts during GoTo quickly became boring...).

Comments
My suggestions relate to being better informed about the internal processes of the Vespera and to be able to intervene if necessary. As it is designed, however, the Vespera is rather a "fully automatic system" in which the user should and can intervene as little as possible. In this respect, I hardly believe that my suggestions will meet with open ears from the developers of the Singularity app...

To bring the whole thing together, one could, for example, introduce an "expert mode", where the suggestions are implemented, while the Vespera behaves in the "beginner mode" as before.
Alternatively, one could offer these functions as an option in the settings.

A Question

Finally, I have a question regarding CovalENS. In a review of the Vespera on astroshop.de, I found the statement that CovalENS uses dithering to reduce "walking pattern noise". I ask this, because I myself had the impression that mosaics do have less noise of this kind. Can you please comment on this?

One might be tempted to recommend to always use the mosaic mode instead of the normal mode, but my impression is that the "normal" photos look a little better than mosaics of the same exposure time...

Once again, thank you for creating the Vespera and the Singularity app!

Best regards, Gerd Waloszek (owner of the Vespera and the eVscope 2 (and much more...))

Answer from Agnès Dailly, Technical & Client Support Manager, Vaonis

Dear Gerd,

Thank you for your very kind and constructive feedback.
We're very happy that you enjoy your Vespera among other instruments!

I have escalated your feedback to the technical team.
I can't promise or guarantee that it will be implemented but at least they've been made aware of your comments.

You are right, dither observation are done with Mosaic Mode. In classic mode (stacking), the dither is negligible. Nevertheless, since Vespera has no de-rotator, there is a "natural" rotating dithering.
However, you can't control the dithering during Mosaic Mode.

Depending on your mosaic field of view, it will take longer to achieve the same results compared to a classic observation as the stacking and the field of view coverage is not done the same.

I stay at your disposal if you require any further information.

Kind regards,
Agnès Dailly
Technical & Client Support Manager
VAONIS

 

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11.06.2024